Archiv für Dezember 2009

Die NPD und die Kinderschaukel

Auf einem Kinderspielplatz in Biesenthal entdeckten betroffene Eltern im Sommer 2009, dass eine Schaukel entwendet worden war. Dies nahm die NPD zum Anlass zu einer Spende von 75 Euro. Derweil kaufte die Stadt eine neue Schaukel im Wert vom 1000 Euro und beschloss, die NPD-Spende für das Beseitigen von Hakenkreuzen und Schmierereien auf den Spielgeräten zu verwenden. Die NPD wetterte gegen diese Verwendung und drohte mit einer Klage.
Nachdem diese Geschichte durch einen taz-Artikel bekannt wurde, hetzt die NPD auf ihrer Website gegen den Autor des Artikels: „Name und persönliche Physiognomie sprechen an sich schon für die Qualität und geistige Herkunft des phantasierten Berichtes“. Anschliessend bekennt sich die Barnimer NPD mit großem Pathos zum Hakenkreuz: „Niemand, dem die Würde diese Symbols heilig ist und der es in seinem Herzen trägt, würde sich dazu herablassen das alte ‚Glücksbringer‘-Zeichen in dieser Form zu besudeln.“

taz-Artikel

Sieben Monate Haft

Am Montag am 7. Dezember endete nach fünf Verhandlungstagen am Amtsgericht Bernau der Prozeß gegen die Berliner Nazifunktionärin Gesine Hennrich mit einer Verurteilung zu einer Haftstrafe von sieben Monaten. Die ehemalige NPD-Kreisverbandsvorsitzende von Marzahn-Hellersdorf organisierte im August 2008 ein Fest auf dem Biesenthaler NPD-Gelände in der Erich-Mühsam-Straße. Auf dem Fest wurden über eine Musikanlage laut verbotene Rechtsrocklieder gespielt, mit solchen Titel wie „Weißer Arischer Widerstand“ oder „Kauft nicht bei Juden“. Aufmerksame BiesenthalerInnen informierten die Polizei, die dann die CDs beschlagnahmten.
Gesine Hennrich trat wenig später aus der NPD aus und gründete eine eigene Kameradschaft „Frontbann 24″. Diese sah sich in direkter Tradition zu SA des Nationalsozialismus. Vor wenigen Wochen wurde diese Kameradschaft vom Berliner Innensenator verboten, bei einer Hausdruchsuchung fand die Polizei im Schlafzimmer von Gesine Hennrich ein gerahmtes Hitlerbild auf dem Nachttisch und eine große Hakenkreuzfahne über dem Bett.
Während des Prozesses vor dem Bernauer Amtsgericht bedrohten angereiste Rechtsextremisten aus Berlin andere ProzessbeobachterInnen. Ein entsprechendes Strafverfahren wurde von der Staatsanwaltschaft inzwischen eingeleitet.
Durch Zeugenaussagen im Prozeß wurde bekannt, dass sich auf dem Biesenthaler NPD-Gelände ein Bandproberaum der lokalen Naziband „Preussenfront“ befand, in der der Schönower Neonazi Kai Hasselmann mitspielt. Ausserdem berichtete der NPD-Kreisverbadsvorsitzende Barnim-Uckermark Marco Rohde davon, dass er oft auf dem Gelände ist und sich dort ein Materiallager der NPD befindet. Das NPD-Gelände befindet sich im Besitz der Devasta GmbH deren Geschäftsführer der Biesenthaler NPD-Funktionär und Stadtverordnete Mike Sandow ist.

Weitere Informationen zum Prozeß:
Tagesspiegel-Artikel
Zeit-Blog

Kranzniederlegung der NPD?

Die NPD behauptet auf ihrer Website, dass sie in Biesenthal anläßlich des Volkstrauertages einen Kranz niedergelegt hätte. Im entsprechenden Text verherrlicht sie den Vernichtungskrieg der deutschen Wehrmacht und verfälscht vollkommen plump die Geschichte: „Gedacht wurde den Kämpfern, die im Kampf um die Freiheit Deutschlands, in den Kriegen die gegen das deutsche Volk geführt wurden, die Heimat verteidigten und dabei ihr Leben gelassen haben.“
Allerdings ist nirgendwo in Biesenthal ein solcher Kranz gesichtet worden. Es gehört zur Strategie der Naziszene, sich mit Aktionen zu brüsten, die niemals stattgefunden haben, um so nicht vorhandene Stärke zu simulieren.

21.11.09: Naziparty von Polizei beobachtet

Wie die Märkische Oderzeitung in ihrer Ausgabe vom 23. November 2009 berichtete, fand am 21. November auf dem Biesenthaler NPD-Gelände wieder eine Naziparty statt. Die Polizei beobachtete „mit zahlreichen Einsatzkräften“ die „Geburtstagsfeier“. Es sei zu keinen Zwischenfällen gekommen. Die Veranstaltung war gegen 18 Uhr beendet.

Neue Infoseite

Das Rechercheteam Biesenthal will mit diesem Blog über die Naziaktivitäten in Biesenthal und Umgebung informieren. Denn nur wenn die BiesenthalerInnen wirklich umfassend informiert werden, sind sie in der Lage sich aktiv und wirkungsvoll dem Treiben der örtlichen Naziszene entgegenzustellen.