Archiv für April 2010

3. Juli: Naziaufmarsch in Biesenthal

Ende Februar kündigte die „Kameradschaft Märkisch Oder Barnim“ (KMOB) auf ihrer Website einen ganze Reihe von Aufmärschen in der Region an. In Biesenthal will sie am 3. Juli um 12 Uhr vom Bahnhofsvorplatz marschieren. Das Motto der Veranstaltung, „Gegen die Zerstörung von Nationalen Grundstücken und Einrichtungen“, bezieht sich wohl auf das Grundstück der Devasta-GmbH in der Erich-Mühsam-Straße. Der Geschäftsführer der GmbH Mike Sandow hat verschiedenen Naziorganisationen dieses Grundstück immer wieder für Partys, Konzerte, Schulungen und Bandproben zur Verfügung gestellt. Inzwischen ist er aus der NPD ausgetreten.
Die Kameradschaft hat bereits einen Tag nach dem Bekanntwerden ihrer Aufmarschpläne die entsprechenden Angaben von ihrer Terminseite wieder gelöscht. Inzwischen sind die Termine wieder aufgetaucht. Der Termin in Biesenthal fehlt nun aber. Inzwischen liegt aber eine Versammlungsanmeldung bei der Polizei vor. Allerdings ist es sehr fraglich, ob diese kleine Kameradschaft tatsächlich in der Lage ist, sechs Aufmärsche in sechs Wochen zu veranstalten, ohne sich durch mangelnde TeilnehmerInnenzahlen völlig lächerlich zu machen.

Folgende Aufmärsche haben die Nazis angekündigt bzw. angemeldet:

29. Mai 2010, Bernau, 12 Uhr Bahnhof
05. Juni 2010, Eberswalde, 12 Uhr Bahnhof
12. Juni 2010, Bad Freienwalde, 12 Uhr Bahnhof
19. Juni 2010, Strausberg, 12 Uhr Bahnhof-Vorstadt
03. Juli 2010, Biesenthal, 12 Uhr Bahnhof
10. Juli 2010, Manschnow, 12 Uhr Bürgerplatz

Mike Sandow ist nicht mehr in der NPD

Inzwischen hat es sich in Biesenthal herumgesprochen. Der örtliche NPD-Funktionär Mike Sandow ist aus seiner Partei ausgetreten. Damit verliert die NPD ihren Sitz in der Biesenthaler Stadtverordnetenversammlung und einen Sitz im Barnimer Kreistag.
Unklar sind aber bisher die Gründe für den Parteiaustritt. Will sich Mike Sandow aus der rechtsextremen Szene lösen oder tritt er einfach einer anderen Organisation bei oder ist es nur ein taktisches Manöver?
Offen bleibt auch, was nun mit dem Gelände in der Erich-Mühsam-Straße wird. Mike Sandow ist der Geschäftsführer der Devasta-GmbH der dieses Grundstück gehört. Darf die NPD dort weiterhin ein Materiallager betreiben? Wird das Grundstück weiterhin für Veranstaltungen der Naziszene offen stehen? Oder ist es mit dem Nazispuk in Biesenthal damit vorbei?
Ergänzung: Sandow hat am bereits 16. Januar dem Biesenthaler Bürgermeister einen Brief geschrieben, in dem er seinen Austritt mitteilt und ankündigt sein Mandat in der Stadtverordnetenversammlung behalten zu wollen.

NPD-Flugblatt verteilt

Am letzten Wochenende verteilte die NPD in mehreren Orten im Barnim und der Uckermark ein neues Flugblatt. Auch in einigen Biesenthaler Briefkästen tauchte das Pamphlet auf. Thematisiert wird die soziale Situation im Barnim und in der Uckermark.
Auch die Nazis haben inzwischen gemerkt, dass die blühenden Landschaften auf sich warten lassen, die Globalisierung problematische Seiten hat und es viel Armut und Arbeitslosigkeit in den beiden Landkreisen gibt. Eine ökonomische Analyse sucht mensch allerdings vergeblich und auch die Lösungsvorschläge des Flugblattes zeigen, dass die Nazis von Ökonomie und Sozialpolitik keine Ahnung haben. Und der Rassismus darf natürlich auch nicht fehlen. So fordert die NPD auf ihrem Flugblatt ein Ende der Einwanderung und die Abschiebung „hier lebender Fremder“.
Ziel des Flugblattes ist eindeutig die Werbung neuer Mitglieder, so findet sich am Ende ein Beitrittserklärung. Eine Eintrittswelle ist sicher nicht zu erwarten, wobei schon einzelne Parteieintritte ein riesen Erfolg für so eine Kleinstpartei wie die NPD wären.

Sandow fehlte in Dresden

Noch immer rätseln die BiesenthalerInnen, warum Mike Sandow aus der NPD ausgetreten ist. Zwei Indizien sprechen für einen Rückzug aus der aktiven organisierten Naziszene:
1. Mike Sandow war nicht beim gescheiterten Naziaufmarsch im Dresden am 13. Februar. Zu diesem größten Nazitreffen Europas fahren normalerweise alle organisierten Nazis der Region.
2. Am 20.03. wurde die Jahresfeier der „Kameradschaft Märkisch Oder Barnim“ (KMOB) von der Polizei in Hohenfinow aufgelöst. Mike Sandow war im Gegensatz zu allen aktiven Nazis der Region nicht unter den Gästen. Noch im letzten Jahr fand diese Feier auf dem von Sandow verwalteten Devasta-Gelände statt.
Beweise sind das allerdings noch nicht und Mike Sandow schweigt sich weiterhin über den Hintergrund seines Parteiaustrittes aus.

Nachtrag zum 21.11.2009

Wie erst jetzt bekannt wurde, veranstaltete der NPD-Landesverband die Feier am 21.11.2009 auf dem Devasta-Gelände. Es handelte sich um eine Dankesfeier für alle WahlhelferInnen. Es war die vorerst letzte bekannt gewordene Veranstaltung der Nazis in Biesenthal.
Quelle: www.gegenrede.info